„Mit Montessori groß werden“

Dr. Maria Montessori, die 1907 ihr erstes Kinderhaus in Rom eröffnete, sieht die Entwicklung des Kindes so:
Sie vergleicht das Kind mit einer Blumenzwiebel.
Betrachten wir uns beispielsweise die Zwiebel einer Frühlingstulpe. In dieser Zwiebel sind viele Informationen enthalten: Es soll eine früh-blühende, kurzstielige, orangefarbene Tulpe mit gefüllten, gezackten Blättern werden.
Diese Anlagen können durch die äußeren Bedingungen nicht verändert werden. Entscheidend für das Wachstum unserer Tulpe ist jedoch, ob sie geeignete Erde mit der richtigen Menge an Nährstoffen und Wasser sowie genügend Licht erhält.
Sie kann kümmerlich aussehen oder bei ganz ungünstigen Bedingungen gar nicht bis zur Blüte kommen. Sie kann aber auch eine wunderschöne, langblühende und prächtige Tulpe werden.
Zu viel Wasser oder Sonne sind ebenso schädlich wie zu wenig. Das ungeduldige Ziehen am Stiel erscheint uns hier völlig ungeeignet, um zu erreichen, dass die Tulpe das macht, was wir uns vorstellen. Wie oft aber „(er-)ziehen“ wir an unseren Kindern?

 

In der Montessori-Pädagogik stehen die individuellen Bedürfnisse der Kinder und die Erziehung zu Selbständigkeit im Mittelpunkt. Die Kinder werden in einer liebevoll „vorbereiteten Umgebung“ von „geduldigen“ Erwachsenen begleitet, in welcher sie ihre Persönlichkeit entwickeln und aufbauen.
Dabei ist es uns wichtig, die Einzigartigkeit eines jeden Kindes zu achten. Es gibt kein „Programm“, das alle Kinder durchlaufen, sondern ein auf das jeweilige Alter und die Entwicklung abgestimmtes Angebot, aus dem jedes Kind frei wählen kann, was, wie lange und wie oft es mit einem Material arbeiten möchte. Dadurch können sich die Kinder individuell entfalten. Das entsprechende Tempo bestimmen die Kinder selbst, nicht der Erwachsene.

Wir helfen den Kindern, selbständig zu denken und zu handeln. Wir bieten ihnen Gelegenheit, den eigenen Lebensbedürfnissen zu folgen, Schwierigkeiten zu überwinden, statt ihnen auszuweichen und in Konfliktsituationen Lösungsmöglichkeiten zu finden. Durch die Wertschätzung und Achtung des Kindes wächst die Liebe zu sich selbst und die Freude am Mitmenschen, wodurch die Basis für die Fähigkeit zur Gemeinschaft gelegt wird. Denn nicht durch „Belehrung“, sondern durch eine „soziale Umgebung“ erfolgt eine soziale Erziehung.